Identitätsverlust durch Instagram

Written by sophiesollmann

Seit Tagen zerbreche ich mir nun schon den Kopf darüber, wenn nicht gar seit Monaten. Die Rede ist nicht von den mühevoll aufgebauten Scheinwelten der Social Media Welt, vor allem der Bild-Plattform Instagram – dieses Thema wurde oft genug durchgekaut. Dieser verzerrten Realitäten sind wir uns durchaus bewusst und es entstehen immer mehr positive und erfrischende Gegenbewegungen.

Ich spreche von der anderen Seite, nicht den Bloggern und Influencern, sondern den Followern. Wir, die sich andere, uns vollkommen fremde Personen als Vorbild nehmen und unsere eigene Identität immer mehr ihnen anpassen. Wir, die aufwachen und uns ansehen, was die Idole des derzeitigen Jahrhunderts zum Frühstück essen, anstatt ein nettes Gespräch mit der eigenen Familie zu führen. Wir, die vollkommen blind alles glauben und lieben, was wir auf unseren kleinen Bildschirmen sehen.

Das Thema, das mich so beschäftigt, ist folgendes: Instagram begann, ähnlich wie Pinterest, als Projektionsfläche von Kreativität. (hier geht’s zu meinem Blogartikel über Kreativität, Inspiration und so manche Hürden). Geteilt wurde das alltägliche Chaos, bestehend aus sympathischen Schnappschüssen, allesamt originell, erfinderisch und spritzig. Mit der Zeit wurden die Profile monotoner, einfärbiger und aufgeräumter. Dies ist im Grunde nichts Schlechtes. Es zeigte, dass Ästhetik trotz allem eine Rolle bei uns Menschen spielt, denn sie steckt in so Vielem, was wir tun, kaufen und erleben. Wir streben nach Schönheit, nach innerer und äußerer. Instagram inspirierte den Menschen. Es ging darum, sich von anderen abzuheben und ein freier Künstler ohne Grenzen zu sein. Der Begriff „Inspiration“ wird auf Instagram noch immer groß geschrieben. Heutzutage finde ich ihn fast euphemistisch, denn von (echter) Inspiration ist wenig übrig geblieben. Wir stehen nahe an Imitation. Vielleicht schafft Instagram ja wirklich noch das Unmögliche – das Klonen, um exakt dem Idol zu entsprechen. Dank Instagram, Snapchat und Youtube sehen wir heutzutage alle gleich aus. Mit Abstufungen. Natürlich gibt es noch „Interessensgruppen“ (man bemerke den sarkastischen Ton), aber im Grunde wollen wir der Masse angehören. Wie konnte es soweit kommen? Und wieso scheint es mir, als würden die wenigsten versuchen etwas dagegen zu tun? Was ist es, das uns dazu bewegt unseren Sinn für Individualität zu verlieren?

Versteht mich nicht falsch, ich hole mir auch gerne Tipps für meine Outfits. Dass lange Mäntel auch an jungen Frauen gut aussehen, hab ich erst durch Social Media erfahren. Meine Liebe für weiße Turnschuhe entstand durch Instagram. Und wenn ich einmal nicht weiß, wie ich meine schwarze Lederjacke kombinieren soll, so findet ihr mich beim Scrollen durch ein paar Hashtags – ich lasse mich inspirieren. Was am Ende dabei rauskommt, überlasse ich aber ganz mir alleine. Und nun komme ich zu meinem eigentlichen Punkt und dem Hauptproblem dieser Misere: wir kaufen, was andere kaufen, wir tragen Frisuren, die jeder trägt, wir schminken uns so, wie es nun mal „getan werden muss“. Und dabei scheint jeder zu vergessen, dass uns nicht alles steht. Wir verstellen uns, ahmen nach und schmeicheln uns dabei selbst nicht. Das Ziel von Mode und Beautyprodukten war von Anfang an den Menschen in seinem schönsten Licht darzustellen. Durch Instagram ziehen wir an, was am Tagesplan steht. Wir hören auf zu hinterfragen, ob es zu uns und unserem Körper passt.

Lasst mich das anhand eines persönlichen Beispiels verbildlichen: Vor etwa 1 Jahr fing ich an mir Modetrends anzusehen und diese zu verfolgen. Ich zwängte mich in enge Jumpsuits, schlüpfte in schwarze Culottes und fand Loafers schön. An meinem Arbeitsplatz fühlte ich mich damit vollkommen unwohl. Die Jumpsuits schmeichelten meinen Beinen keineswegs und betonten die Stellen, die ich an mir eher weniger mag. Gleichzeitig stellten sie jene in den Hintergrund, die ich eigentlich ganz gern hab. Das gleiche galt für Culottes. Loafers wusste ich nie zu kombinieren. Alles sah komisch aus und meine Füße schmerzten, da sie zu breit für die Form des Schuhs waren. Ich konnte es an diesen Tagen kaum erwarten nach Hause zu kommen und das „Kostüm“ gegen etwas Gemütliches zu tauschen. Sobald ich ein schlichtes weißes T-Shirt und meine hellgraue Jogginghose anhatte, fand ich mich wieder schön. Ich war ich, ich sah mich gerne im Spiegel und ich genoss meine Natürlichkeit. Das gleiche gilt für das Schminken. Wir sehen Mädchen, die ihre Gesichter verstecken, applaudieren, wenn das Contouring so gut gelungen ist, dass wir aussehen wie eine Porzellanpuppe und vergöttern lila Lippenstift. Geschminkt habe ich mich noch nie viel. Es gab eine Zeit, in der ich meine Wangen stark betonte und mir einen Eyeliner zog. Es sah gut aus aber trug zu dick auf. Sobald die Schichten am Abend herunten waren und meine feinen Gesichtszüge wieder erkennbar waren, mochte ich mich selbst. Wieso gratulieren wir anderen jungen Frauen dazu, ihre zarten Gesichter zu beschmieren? Haben wir verlernt wahre Schönheiten zu erkennen? Oft sehe ich Profile von jungen Frauen, die so unnatürlich sind, dass es mir die Sprache verschlägt. Und so viele heranwachsende Menschen schauen zu ihnen auf. Es macht mich traurig.

Steht das Erwerben von Modetrends wirklich über der Tatsache, dass euch das Outfit verkleidet?

Zurück zur Mode.

Zurzeit ist es der Retro-Karoblazer, der meine Augen rotieren lässt. Kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht in meinem Instagram-Feed aufscheint, er ist angesagter denn je. Gefallen tut er mir nicht. Manchen zierlichen Frauen mag er ganz gut stehen, mir nicht. Und das ist nicht schlimm! Von Hausschuhen aus Fell und Badeschlapfen für den täglichen Gebrauch möchte ich gar nicht erst anfangen.

Was ich aus dieser (kurzen) Zeit des gedankenlosen Kaufens lernte? Modetrends mögen kommen und gehen, doch wir sollten bewusst mit ihnen umgehen und uns die Frage stellen, ob sie uns tatsächlich gefallen, unserer Figur passen oder nur zum Nachahmen gedacht sind. Meine Figur habe ich von meiner Mama. Sie ist sehr weiblich, meine Taillie ist im Vergleich zu meiner Hüfte ungewöhnlich schmal, meine Beine sind zwar lange, wirken aber vor allem in Jeans nicht vollkommen schmal. Das ist Fakt, das ist mein Körper, das muss ich einsehen. Am schönsten fühle ich mich in Blusen, die meine zierlichen Arme und meine Taillie betonen. Enge Jeans dagegen versuche ich zu vermeiden, da sie mich dicker aussehen lassen als ich bin. Hüte stehen mir nicht, das habe ich bereits versucht. Und enge Sandalen machen meine Füße breiter als sie sind. Deshalb liebe ich Turnschuhe. Lernt euren Körper kennen, kauft, was EUCH gefällt, was euch schön aussehen lässt. Steht das Erwerben von Modetrends wirklich über der Tatsache, dass euch das Outfit verkleidet?

Mag ich das wirklich? Höre auf dich und dein Umfeld. Stilbewusste Menschen werden nicht für’s Trend verfolgen bewundert, sondern für den guten Geschmack an sich und die Fähigkeit ihre Kleidung gekonnt auszuwählen und zu kombinieren. Entscheide dich bewusst für und gegen Trends. Manchmal dürfen wir auf den Trendzug aufspringen, manchmal sollten wir unsere Füße am Boden behalten und ihn vorbeiziehen lassen.

Was meint ihr zu diesem Thema? Hinterlasst mir eure Gedanken und Meinungen in einem Kommentar. Ich freue mich darauf!
Einen wirklich interessanten Artikel über die Sucht nach Anerkennung findet ihr außerdem hier.

with love and happiness

sophie sollmann

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