Über die Suche nach Freundschaft

Written by sophiesollmann

Einfach fiel es mir noch nie und ich denke, das wird es mir auch niemals. Ich hatte schon immer das Gefühl anders zu sein, was dies betrifft. Habe ich mich zu sehr bemüht, wurde ich enttäuscht. War ich zurückhaltender, ergab sich nichts. Während andere dem Thema mit Leichtigkeit und Offenheit begegnen, empfinde ich meist innere Unruhe. Die Rede ist von Freundschaft.

Ich denke, alles fing an, als ich mit 7 Jahren die Schule gewechselt habe, ich war „die Neue“.  Die Wesen des männlichen Geschlechts fanden das aufregend, die weiblichen Geschöpfe sahen mich als Eindringling in ihr mühevoll aufgebautes Reich. Das wohl Schwerste an allem war, dass ich mit dem Wechsel der Schule auch meine damalige beste Freundin verlor. Obwohl wir uns zu Beginn noch regelmäßig trafen, entfernten wir uns immer mehr voneinander.

Freundschaft Kind Wiese

Das Gymnasium war eine lange, aufregende und hürdenreiche Zeit. Freundschaften wurden geknüpft, versiegelt und wieder aufgelöst. Ein Freundeleben außerhalb des Gymnasiums hatte ich nicht, die Schule war mein zweites Zuhause und die einzige Umgebung, in der ich Freunde finden konnte. Zu meinem Heimatort hatte ich nur landschaftlichen Bezug, ich liebte unser kleines Dorf über alles. Es schenkte mir Freiheit, Abenteuer und Ruhe, aber leider wenig Gleichaltrige, die mich aufnahmen. Denn ich war ja anders, ich kam aus der Stadt. Ein Problem hatte ich damit nie, denn ich hatte meine kleine Schwester Marie. Nach zahlreichen oberflächlichen Freundschaften, die mir mehr Frust als Glück schenkten, fing ich an, mir Sorgen zu machen. Vielleicht lag es daran, dass ich mehr Teil von allem sein wollte und ein Gefühl der Zugehörigkeit suchte, vielleicht lag es aber auch daran, dass einem, wie bei Beziehungen auch, ein gewisses Idealbild einer Freundschaft gezeigt wird, welches es zu erreichen gilt.

Mein sehnlichster Wunsch damals? Ein Freundeskreis. Dieser entwickelte sich jedoch nie. Als ich 17 Jahre alt war, zogen meine Familie und ich für 8 Monate nach Barcelona. Ich war wieder neu, aber jeder war darauf eingestellt und man war inzwischen reifer. Ich bekam einen Freundeskreis, meinen eigenen, auf den ich stolz war. Das Problem? Diese Freundschaften hatte ein Ablaufdatum. Es war eine wundervolle Erfahrung, die ich niemals vergessen werde. Trotz virtueller Möglichkeiten, Kontakte aufrechtzuerhalten, erlosch das Gefühl der Zusammengehörigkeit nach und nach immer mehr. Jetzt bin ich am Ende meines Studiums angelangt und der lang ersehnte Freundeskreis? Nun ja, den gibt es noch immer nicht. Es gab Zeiten in denen ich dachte, ich sei für Freundschaften einfach nicht gemacht: zu anspruchsvoll? Oder bemühte ich mich nicht genug um sie? An alles habe ich gedacht, an alles, was falsch sein könnte mit mir, aber nicht an eines: Meine Schwester.

Schwestern beste Freunde

Meine Schwester Marie ist vier Jahre jünger als ich, trotzdem sind wir wie Hanni & Nanni – nur ein bisschen hipper. Vier Jahre mögen eine lange Zeit sein, vor allem wenn es um Entwicklung und Lebensphasen geht, doch ich fühle mich niemandem ähnlicher wie ihr. Als wir klein waren, verspürte ich bei ihrem Anblick sehr viel Eifersucht. Denn schließlich war sie dafür verantwortlich, dass sich mein glückliches Einzelkind-Dasein in Luft auflöste. Schon bald aber war sie diejenige, die ich am meisten beschützte. Alles wurde zusammen gemacht, jedes Abenteuer gemeinsam erlebt und jede Verletzung vom anderen geheilt. Egal wo ich war, sie war an meiner Seite.

Wenn man mit Menschen zusammenlebt, von denen man weiß, dass sie ohnehin immer irgendwie Teil deines Lebens sein werden, neigt man dazu, die Wichtigkeit und den Wert dieser Personen zu vergessen.

Wie sehr ich meine Schwester liebe, war mir zwar immer vollkommen bewusst, genauso wie die Tatsache, dass unsere Beziehung mehr als nur die zweier Geschwister war. Jedoch habe ich nie, bis jetzt, realisiert, dass sie der Freundeskreis ist, den ich mir immer wünschte. Und die Lücke, nach der ich so lange gesucht habe, füllt sie komplett aus.

Ich denke das Wort Freundschaft kann man nicht definieren. Viele meinen, ein Freund ist jemand, der immer zu einem steht, immer da ist und dem man all seine Geheimnisse anvertrauen kann. Meine Schwester war schon des Öfteren nicht auf meiner Seite, genauso wie ich ihre Ansichten manchmal hinterfrage. Unter der Woche sind wir getrennt voneinander, am Wochenende sehen wir uns zurzeit nur sehr selten. Und meine Geheimnisse, nun ja, als wir klein waren, wurden diese nicht selten an Mama verpetzt. Und trotzdem sind wir unzertrennlich.

Ich bin deshalb der Ansicht, dass eine Freundschaft nicht zwingend bedeuten muss, sich täglich zu sehen, immer sofort zur Stelle zu sein, für den anderen alles zu tun und Streitereien immer auszudiskutieren. Eine Freundschaft sollte natürlich und ungezwungen sein. Eine Freundschaft soll einem einen Mensch schenken, der einen durchs Leben oder Phasen begleitet, manchmal mehr und manchmal weniger. Meine Schwester gibt mir Kraft und Glückseligkeit. Und wenn ich an sie denke, dann vermisse ich sie, auch wenn sie gerade neben mir sitzt. Das ist mein Bild von Freundschaft. Und ich bin glücklich.

Mädchen Strand Kleider

with love and happiness

sophie sollmann

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