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Warum Sexualität eine so große Rolle spielt

Written by sophiesollmann

Ich muss sagen, dass ich über den Entschluss zur gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA schon fast mehr Erschütterung und Wut als Glück verspüre. Meines Erachtens wurde damit ein Schritt gegangen, der eigentlich schon vor mehreren Jahrzehnten gegangen hätte werden sollen. Ich bin alles andere als stolz auf unsere Welt, dass es so langer Zeit bedarf, bis wir Menschen sehen, dass wir alle gleich sind – denn wir sind alles Menschen. Ist dies nicht ein Gedanke, mit dem wir hätten groß werden sollen?

Ein Gedanke, der nie angezweifelt oder verworfen wird, von wem auch immer? Ein Gedanke, dessen Existenz gar nicht erst in Frage gestellt wird? Und ja, natürlich denken wir darüber nach, denn die Geschichte unserer Welt, unseres Lebens, hat uns Anderes gelehrt. Wir wuchsen mit Klischees auf, die meisten hatten eine Mama und einen Papa. In Filmen, Büchern und Geschichten wird von Frau und Mann erzählt, und das ist auch vollkommen klar, denn es ist das Bild, das wir im Kopf haben, es ist das, was wir kennen und was wir gewohnt sind. Es waren damals Adam und Eva. Deshalb trägt niemand die Schuld, wenn er sich beim Betrachten eines schwulen Pärchens nicht ganz so wohl fühlt, denn es entspricht nicht der Gewohnheit. Und vielleicht vermag es uns zuerst komisch erscheinen, wenn sich 2 Frauen küssen, weil wir eine Liebe dieser Art noch nicht selbst verspürt haben. Und ich spreche hierbei auch von mir selbst – ich gehöre auch zu diesen Menschen, die das Gewohnte ausleben – eine Mutter und ein Vater und in einer Beziehung mit einem Mann. Doch würde es mir in den Sinn kommen, dass etwas anderes nicht okay, nicht zulässig, nicht ideal wäre? Würde ich je darüber nachdenken, einem homosexuellen Paar den Bund der Ehe zu verweigern? Würde ich jemals behaupten, homosexuelle Gefühle wären abnormal oder sonderbar? Nein, nicht im Traum. Wie sind wir dazu geworden, dass wir jegliche Verschiedenheiten und Differenzen zwischen Menschen derart als negativ betrachten? Wieso wurde das erste schwule Pärchen nicht bejubelt, da es sich getraut hat, zu seiner Liebe zu stehen? Ich weiß nicht, wie ich vor 300 Jahren darauf reagiert hätte – in Zeiten, wo dies noch als etwas weit Schlimmeres angesehen wurde. Ich weiß nur, dass manch Teil unserer Welt noch immer eine Attitüde des 15. Jahrhunderts einzunehmen scheint, wenn es um solche Themen geht. Wir tun immer so, als wären wir aufgeschlossen, reif, so bereit für Veränderungen. Doch der Großteil von uns, gibt dies nur vor. Ich weiß, ich sagte, dass ich heute nicht über Homosexualität und die USA reden werde, und das tue ich auch nur bedingt. Ich rede mehr von allgemeiner Verschiedenheit auf dieser Welt.

Ich bin ein Mensch, der schon immer sehr aufgeschlossen für jene war, die anders waren. Ich habe mich zwar nie innig mit ihnen angefreundet, da ich früher selbst Probleme hatte, mein wahres Ich und geeignete Menschen für mich, die mich umgeben sollen. Jedoch habe ich sie nie verachtet oder ausgelacht. Ich finde, einen anderen Menschen nicht zu akzeptieren, ist die grausamste Art jemandem weh zu tun. Menschen für das, was sie sind, auszulachen ist feige und dumm. Ich werde niemals verstehen, wie sich jene, die so etwas praktizieren, auch nur in irgendeiner Weise in ihrem Körper wohl fühlen können. Jeder Mensch ist unterschiedlich aufgewachsen, hat ein anderes soziales Umfeld, in das er sich täglich begibt, hat andere Gene, andere Gedanken, andere Prioritäten. Wieso deshalb jemanden nicht akzeptieren, weil er nicht so aussieht wie du, weil er nicht so redet wie du, weil er nicht so denkt wie du? Es ist schade, dass die meisten erst im Erwachsenenalter drauf kommen, dass die Verschiedenheit aller Menschen etwas Positives ist. Denn man bräuchte vor allem als Kind genau diese Akzeptanz – die Akzeptanz, dass man sein darf, wie man sein möchte. Jene Kinder, die dies nicht erfahren, haben mit diesen Wunden ein Leben lang zu kämpfen. Und es mag vielleicht weit hergeholt sein, aber ich bin fester Überzeugung, dass das Mobben im Kindergarten oder in der Schule von jenen ausgeübt wird, die solche Wert schon einmal irgendwo gehört, gelernt, gesehen haben. Dazu kommt natürlich der Gruppenzwang, das Dazugehören, das Sich-anschließen-an-die-anderen um nicht selbst das Opfer zu werden. Doch wer sind die Anfänger solcher Grausamkeiten? Meistens jene, die selbst aus einem Elternhaus kommen, in dem Anders-sein als etwas Schlimmes betrachtet wird und Akzeptanz nur mäßig ausgeübt wird.

Was wird aus einem Kind, dass hört, dass alle Ausländer böse sind und es davon zu viele in unserem Land gibt? Was wird aus einem Kind, dass sieht, wie ein anderer ausgelacht wird, da er eine Brille trägt oder beim Lesen stottert? Es fängt ganz früh an und wird in den verschiedensten Arten ausgetragen. Auf der einen Seite gibt es das Aussehen und die Oberflächlichkeit. Dann gibt es die Gefühlswelt, die wir ebenfalls begrenzen. Dann gibt es die Herkunft, die Hautfarbe, die anscheinend ja ach so viel über ein Individuum verrät. Und dann gibt es weitere Themen wie das der Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen. Wir haben uns vielleicht dazu bekannt, dies zu akzeptieren, aber tolerieren wir es? Und sollten wir nicht noch in vielen weiteren Bereichen mehr Akzeptanz, Toleranz und Wertschätzung aufbringen? Ich denke, unsere Welt steht erst ganz am Anfang von Klugheit, Verstand und Reife. Wir entwickeln Technik die uns unglaubliche Dinge ermöglichen, wir bauen Häuser die beinahe zu den Wolken ragen, wir ziehen Wunderkinder mit zahlreichen Talenten groß… Doch wir sollten das Wichtigste nicht vergessen: die richtigen Werte zu besitzen – Werte, auf die wir stolz sind und über die wir nachgedacht haben, bevor wir sie in uns verankert haben.

with love and happiness

sophie sollmann

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